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Wann ist es passiert? Wie ist es passiert und vor allem: warum musste es passieren? Kaum das man es hätte merken können, brach der Fast-Winter über die Stadt herein. Es geschah in der Nacht vom 30.10 auf den 31. 10, in der die Uhren um eine Stunde zurück gestellt wurden. Es scheint, als hätte man nicht nur am Zeiger, sondern auch am Thermometer gedreht. Um 5 Uhr ist es nun also so gut wie dunkel und der Wind peitscht einem eisig um die Ohren.

Doch man hat auch mit härterem zu kämpfen. Weit vorn auf der Liste stehen pubertierende Nachbarn von oben drüber, die gerne lautstark und mit viel mehr Freunden, als die Wohnung Platz hergibt, Parties veranstallten. Es wird rhytmisch zum gerade laufenden Song auf den Boden gestampft, die Treppe rauf und runter gerannt oder anderweitig gegen das Gesetzt, Nachtruhe ab 23 Uhr, verstoßen. Spätestens, wenn die eigene Zimmertür auffliegt, weil sie den Lärmschwingungen nicht mehr standhält, muss man sich fragen: geh ich hoch und beschwer mich oder besser noch, ruf ich vielleicht gleich die Polizei oder geh ich hoch und feier einfach mit? Doch der laut dröhnende Techno der übelsten Sorte lässt stark vermuten, dass diese Leute mit Sicherheit nicht cool sein können. Und man will ja auch kein Spielverderber sein. Also sitzt man das ganze einfach aus. Meistens handelt es sich dabei eh nur um das sogenannte Vorspiel, auf dessen Erfindung die Norweger, abgesehen vom Käsehobel, sehr stolz sind.

Was muss man tun, um dem Partylärm zu entgehen? Selber Party machen. Bereut man meistens am nächsten Morgen aufgrund eines schmerzenden Kopfes und dem flauen Gefühl im Magen den gestrigen Alkoholgenuss, deute ich meinen ersten Kater in Norwegen eher als positives Zeichen. Allerdings ist es nicht gerade das schönste Gefühl, wenn sich die ganze Gruppe nach einem richten muss, weil man für den gewünschten Schuppen zu jung ist. Aber nach ettlichen Entschuldigungen und Beteuerungen, dass es kein Problem sei, hat man sich dann woanders eingefunden und der Spaß kann weitergehen.

Und um jetzt mal allen Annehmungen, ich würde es hier furchtbar finden, die der ein oder andere Artikel vielleicht gefördert hat, entgegenzuwirken:

Ich liebe es!

Leise rieselt der Schnee…

Einen Monat beehre ich Norwegen jetzt schon mit meiner Anwesenheit. Ich habe schon so einiges über das Land und die Leute erfahren, doch ich merke immer wieder: man lernt nie aus. Vermutlich werde ich bis ans Ende meiner Tage hier als Öko gelten, da ich tagsüber (wo es üblicher Weise hell ist) das Licht in  meinem Büro auslasse, ich sehe ja auch so genug. Doch mit jedem Besuch meines Chefs in meinem Büro wird sich darüber lustig gemacht, dass das Licht aus ist und mir werden fragen dazu gestellt, ob man in Deutschland sehr energiesparsam lebe. Darauf weiß ich leider meistens auch keine Antwort.

Verkehrte Welt herrscht auch im Sprachgewirr. So kommt es, dass man hier unter Öl ein Bier versteht, und eine Sau ist eigentlich ein Schaf.

Der erste Schnee hat mich auch schon ereilt. Und das im Oktober. Das sei für Stavanger nicht typisch, sagte man mir. Kaum war er da, war er auch schon wieder fort. Nur auf den Bergen, auf der anderen Seite des Wassers, sind die Spitzen weiß geblieben. Hat auch was für sich.

Und so gehe ich meinen Weg weiter durch die kleine, aber feine Stadt, in der hin und wieder der unerklärliche Duft von Katzenfutter in der Luft liegt (wer mich mal besuchen kommt, wird das sicher feststellen). Woher er kommt? Man weiß es nicht…

Norwegen – Deutschland, ein kleiner Vergleich. Was es in Norwegen nicht gibt: Spraydeos. Lange gesucht und schließlich eines gefunden, letztendlich aber doch für den im Überfluss vorhandenen Deoroller entschieden, der mich jetzt jeden Morgen dazu zwingt, zwei mal den Föhn anzuschmeißen. Was es in Norwegen gibt: Käse in Tuben. Gesellig stehen sie im Regal beieinander, getarnt als eine einfache Tube Tomatenmark oder Mayonaise mit den verschiedensten Geschmacksorten wie Salami, Schinken, Beef, Makrele oder Shrimps.

In Mandal, der suedlichsten Stadt Norwegens, habe ich etwas über die wesentlichen Bestandteile der norwegischen Kultur gelernt. Fasst man diese Bestandteile zusammen, erhält man “Matpakke”, was so viel wie Lunch-Paket bedeutet. Das Lunch-Paket ist ein wichtiger Faktor, der den Norweger ausmacht und kann wahlweise mit Schinken oder braunem Käse belegt werden. Das ist gesund, hält fit und passt vortrefflich zum gesunden und sportlichen Lebensstil eines echten Norwegers. Dieser Lebensstil wird schon in den ersten Lebenswochen eines Neugeborenen gefördert. So erklärte unser Lehrer uns, der seine wenige Monate alte Tochter mitbrachte und bei Temperaturen von 8°C  draussen schliefen liess, wir sollten uns nicht wundern, das ist frische Luft und gesund. Erst wenn das Thermometer mal unter die -15°C-Marke sinken sollte, schliefe sie drinnen. Mir jedenfalls wurde schlagartig klar, warum alle Leute um mich herum diesen ich-brauch-frische-Luft-Tick haben. Doch in diesem (gefühls-)kalten Völckchen, das nicht umbedingt mit den gebräuchlichen Höflichkeiten wie bitte und danke vertraut ist, kann man doch überraschender Weise immer wieder nette Menschen finden, die einem freundlich gegenüberteten. Das Fazit am Ende unseres Seminars lautete also: Norweger sind okay!

Zwei Wochen schon rum, das ging rasant schnell. Fühle mich zu Hause und doch irgendwie fremd. Freue mich daher schon enorm darauf, wenn ich endlich Norwegisch sprechen und mich als mehr oder weniger vollwertiges Mitglied Stavangers Bevölkerung zählen kann.

Letzten Dienstag hatten wir im Freizeitclub ein Konzert mit 5 lokalen Bands. Ich stehe dort, höre mir die Musik an, seh den grade mal15-jährigen Musikern zu und muss unweigerlich feststellen, dass ich selten so junge talentierte Kids gesehen habe. Aber auch meinem Chef  ist die Leidenschaft für Musik anzusehen. Keine Sekunde  stillstehend läuft er während des Konzerts umher, checkt die Instrumente nach jeder Band und passt gut auf seine Schützlinge auf. Es erscheint im ersten Moment ein bisschen witzig, doch wenn man genauer hinsieht, kann man das Herzblut erkennen, das dahinter steckt.

Hätte es kaum für möglich gehalten, dass es doch noch mal passiert, aber ich habe mich am Wochenende mit Stavangers Nachtleben vertraut gemacht. Mehr Leute in den Straßen, als ich vermutet hätte. Das Ziel des Abends: Ein uriger Pub, Eintritt ab 24 Jahren. Irgendwie fühle ich mich ein wenig verkehrt, zu jung und angestarrt von den älteren, aber ich genieße es letztendlich doch, mal rauszukommen. Und dann geschieht es.. ich kaufe das teuerste Bier meines Lebens. 65 Kronen für ein 0,4l Glas, macht etwa 9 Euro. Ich denke, dass ich in Deutschland mind. 3 für den Preis bekommen hätte und genieße den Luxus stillschweigend. Das nächste mal muss man einfach zu Hause vortrinken, das haben die Norweger schließlich erfunden.

Schon seit zwei Tagen blauer Himmel, das muss ein Traum sein, könnte man denken. Ist es aber nicht. Das gute Wetter lässt sich mit Sicherheit auch als positive Prognose für das Jahr  betrachten.Hab heute etwas höchstinteressantes dazu gelernt: Schweden und Norwegen sind keine dicken Freunde! Aufgrund eines “Kleiner-Bruder”-Komplexes fühlen sich die Norweger seit geraumer Zeit eher mit den Dänen verbunden. Zumindestens lässt sich damit erklären, warum der IKEA in Norwegen weiß-rot und nicht in den schwedischen Nationalfarben blau-gelb gehalten ist.  Wollen wir nur hoffen, dass dieser Komplex die Dänen nicht auch bald erreicht.
Ich gebe mich überraschend sportlich bisher. Vor einigen Tagen bin ich das erste mal Rad in Stavanger gefahren. Allerdings hab ich mich sehr gewundert, warum die Bremsen am Rad zum Körper zeigen und ich beim Treten immer dagegen stoße. Hab leider erst ziemlich spät gemerkt, dass ich den Lenker falsch rum, quasi rückwärts bedient habe. Muss ziemlich blöd ausgesehen haben, Gott sei Dank kennt mich hier noch keiner.
Habe übrigens festgestellt, dass ich nicht nur meine Chucks dringend brauche, um hier IN zu sein, sondern auch ein Baby. Ich habe noch nie so viele Babys und Kleinkinder gesehen.  Der Boom ist enorm und die Tendenz, dass der Trend weiterhin steigt, liegt hoch, denn laut norwegischem Gesetzt hat jedes Kind das Anrecht auf einen Kita-Platz. Da wundert man sich langsam nicht mehr, wenn man auf einer Strecke von 100 Metern an mindestens drei Kindergärten vorbeikommt. Ein Hoch auf die Babypolitik hier! Cheers..

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Nur liebe und nette Leute wohin man kommt. Ich kenne meine Kollegen erst einen Tag und weiß jetzt schon, dass es mir in einem Jahr unheimlich schwer fallen wird, von ihnen Abschied zu nehmen.

Hab das Klavier entdeckt! Highlight des Tages. Hab ein paar Klassiker zum Besten gegeben und freue mich schon darauf, in ruhigeren Stunden meine Fingerfertigkeiten zu trainieren. Vielleicht kann ich in ein paar Monaten Kurse für Anfänger anbieten.

Hab versucht, aus den noch wenigen Essensvorräten eine Mahlzeit zu kochen – Nudeln mit Tomatensoße. Nur Salz und Pfeffer zum Würzen im Haus. Hab dann Fruchtsirup  zum Süßen der Soße benutzt. War sogar ganz passabel und schmeckt ohnehin nur nach Zucker. Hab den Sirup letztendlich auch zum Süßen meines Tees benutzt. Übrigens haben alle betont, wie gut das Wasser aus dem Hahn sein soll und dass es das gleiche Wasser wie in den Flaschen aus dem Supermarkt sei. Also ich möchte mal wissen, ob das Wasser aus dem Supermarkt tatsächlich auch so komisch schmeckt. Ich werde es bald erfahren.

Letztendlich hab ich dann auch meine Mitbewohnerin Pauline (26, Lyon) kennengelernt, die nebenbei besser Englisch spricht, als es sich manch einer hätte vorstellen können.

Wer behauptet hat, in Norwegen werde im Gegensatz zu Schweden kein grosser Wert auf den Style und andere Æusserlichkeiten gelegt, der lag definitiv daneben. Stavangers Bevølkerung ist durchaus sehr hip. Fuerchte, ich muss mir meine Chucks nachschicken lassen, um mit den coolen Kids hier mithalten zu kønnen. Mal sehen, ob’s klappt.

08:40 Uhr: Wir sind schon 10 Minuten über der eigentlich abgemachten Abfahrtszeit. Der Motor läuft, das Auto steht. Das Navi kennt die Straße des Flughafens nicht und ich werde zunehmend nervöser. Meine Schwester versucht den äußerst komplizierten Stadtplan von Berlin korrekt zu falten. Versuch scheitert.

08:54 : Schließlich ist es 5 vor 9, als das Auto sich dann doch in Bewegung setzt. Den Weg kennt trotzdem noch keiner und ich habe meinen Flug schon innerlich abgeschrieben.

09:30 : Sicherheitskontrollen vor den Check-In-Schaltern! Hab ich auch noch nie Erlebt, werde den Sinn dahinter vermutlich auch nie verstehen, musste mich 3 mal neu anstellen (“Ich denk’ die Handtasche muss da nicht durch?!?” “Doch, war doch eben auch so!” “Ach ja, stimmt…”). Musste trotz erlaubter 40kg für einen Koffer 5kg Übergewicht drauf zahlen. Frechheit finde ich, denn meine andere Tasche wog nur 17kg. Macht nach meiner Rechnung nur 2kg Übergewicht. Aber ich bin mir sicher, das Spanisch-Wörterbuch ist bestimmt irgendwann nochmal für irgendetwas gut. Trotzdem… beklopptester Flughafen auf dem ich je war! Winke ein letztes Mal und bin entgültig weg.

12:20 : Befinden uns langsam im Landeanflug auf Stavanger. Gutes Wetter über Norwegen. Ich sehe mir das Land von oben an und denke, dass ich noch nie so viel unberührte Natur auf einmal gesehen habe. Berge und Wälder soweit das Auge reicht und dazwischen hunderte kleiner Seen, nur hin und wieder in den grünen Tälern sind Häuser auszumachen.

12:46 : Bin gelandet. Während ich mit Mama telefoniere, nähert sich mir jemand, der mich so anschaut, als wuerde er sich fragen, ob ich die Freiwillige bin, die er abholen soll.

17:00 : Hab mein Zimmer eingerichtet. Wohnung ist schön, noch etwas unbewohnt, die Wände ein bisschen zu kahl. Werde abgeholt und sehe meinen Arbeitsplatz das erste Mal.

23:30 : Soll eigentlich warten, bis Pauline da ist, um die Tür aufzumachen. Irgendwie kommt sie aber nicht, beschließe die Tür einfach auf zulassen. Gibt eh nicht viel, was es Wert ist, geklaut zu werden. Ganz schön laut über mir. Gebe mein Bestes, den Lärm zu ignorieren und schlafe letztendlich ein.

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